Schwangerschaft & Rheuma

Allgemein

Wir nehmen Teil an dem Projekt "Rhekiss", einem bundesweiten Register zur Erfassung von Schwangerschaften bei Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die Betreuung von schwangeren Rheumapatientinnen stellt einen wichtigen Schwerpunkt dieses Zentrums da. Sowohl bei der Planung von Schwangerschaften als auch bei der Begleitung während der Schwangerschaft wird viel Wert auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit u.a. mit den Gynäkologen und Gerinnungsexperten Wert gelegt. Wir haben diesbezüglich eine eigene Sprechstunde eingerichtet, da Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen viele unterschiedliche Kontaktpunkte haben können. Einige rheumatische Erkrankungen sind deutlich hormonabhängig und können während und nach der Schwangerschaft erstmals auftreten. Auch die Zu- oder Abnahme der Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft wird bei den einzelnen rheumatischen Erkrankungen regelmäßig beobachtet. Generell stellen aber rheumatische Erkrankungen keine Kontraindikationen für eine geplante Schwangerschaft dar. Wollen Sie schwanger werden oder sind Sie schon schwanger ? Sprechen Sie gerne uns an.  

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Therapien

Prinzipiell ist eine Schwangerschaft bei Vorliegen einer entzündlich rheumatischen Systemerkrankung möglich! 

Neben der entzündlich rheumatischen Systemerkrankung selber, gilt es, die Therapie der Erkrankung und gegebenenfalls Begleiterkrankungen und deren Therapien zu beachten.

Die Erkrankungsaktivität entzündlich rheumatische Systemerkrankung wird häufig durch die Schwangerschaft beeinflusst. Während einige entzündlich rheumatische Systemerkrankung wie z.B. die Rheumatoide Arthritis in der Schwangerschaft eher weniger aktiv sind, nimmt die Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft bei anderen Erkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes oder der Spondylarthritis er zu.

Um möglichst optimale Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu schaffen, sollte die entzündlich rheumatische Systemerkrankung über einen längeren Zeitraum (meist > 6 Monate) unter einer unveränderten Therapie in Remission, d.h. nicht aktiv sein.

Bezüglich der medikamentösen Therapie der entzündlich rheumatischen Systemerkrankungen gilt es zu beachten, dass kein Medikament in der Schwangerschaft zugelassen ist.

Dennoch stehen Medikamente zur Verfügung, zu denen es positive Erfahrungen in der Schwangerschaft gibt. Hier gilt es unter strenger Risiko-Nutzen Abwägung zusammen mit dem Patienten eine Entscheidung über das eventuelle Fortführen der immunsuppressiven Therapie in der Schwangerschaft zu treffen.

Während die Fortführung der Anti-Malaria Medikamente beim systemischen Lupus erythematodes während der Schwangerschaft von den Fachgesellschaften (American College of Rheumatology, European League Against Rheumatism) sogar trotz fehlender Zulassung empfohlen wird, ist eine Schwangerschaft unter anderen Medikamenten wie z.B. Methotrexat, Cyclophosphamid oder Leflunomid unbedingt zu verhüten.

Eine Besonderheit stellen die SS-A/SSB Antikörper, welche sich unter anderem beim systemischen Lupus erythematodes und dem Sjögren-Syndrom finden, dar. Diese Antikörper können das sogenannte neonatale Lupus Syndrom auslösen. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des Neugeborenen, welche sich ähnlich äußern kann wie ein Systemischer Lupus Erythematodes und meist nur passager auftritt. Allerdings können auch irreversible, das heißt unumkehrbare Herz-Schädigungen des Ungeborenen auftreten. Hierüber gilt es zu informieren und engmaschige Kontrollen des ungeborenen Kindes in der Schwangerschaft durchzuführen. In dieser Situation können Medikamente wie Hydroxychloroquin das Risiko wahrscheinlich zumindest reduzieren.

Ein nicht erfüllter Kinderwunsch kann u.a. durch das sogenannte Antiphospholipid-Syndrom, hervorgerufen durch spezielle Auto-Antikörper (Anti-Cardiolipin Antikörper, Lupusantikoagulanz, ß-2-Glykoprotein Antikörper), ausgelöst sein. Zeichen des Antiphospholipid-Syndroms sind neben dem Nachweis o.g. Antikörper Thrombosen, Embolien oder Fehlgeburten. In enger Absprache mit der Gynäkologie, gegebenenfalls einem Kinderwunschzentrum und der Rheumatologie kann es sinnvoll sein, vor einer geplanten Schwangerschaft Medikamente wie Aspirin und oder Hydroxychloroquin einzuleiten um das Risiko einer erneuten Fehlgeburt zu reduzieren.

Zusammenfassend ist eine Schwangerschaft in den meisten Fällen möglich, sollte jedoch bei Vorliegen einer entzündlich rheumatischen Systemerkrankung zusammen mit dem Hausarzt und dem Rheumatologen geplant sein.